Dem Mythos von der emotionalen Intelligenz folgt die Sage über das empathische Gehirn
Je weiter Spezialistenwissen unsere Welt in immer kleinere Teile auflöst, desto stärker wächst das Bedürfnis nach Vereinfachung. Der Wunsch nach Synthese führt uns zur Konzentration auf den Event, der alle Aufmerksamkeit bündelt und die Vielfalt ordnet.
Er lässt uns nach psychologischen Begriffen suchen, die eine neue und gute Einheit unter den Menschen versprechen. Nach der “emotionalen Intelligenz” und dem “positiven Denken” – beides für den kritischen Forscher Widersprüche in sich – gerät gegenwärtig die Empathie in Mode. …hier weiterlesen…
Zu den großen Plagen des menschlichen Lebens gehört der Schmerz. Wenn uns etwas wehtut, sind wir sehr dankbar, wenn es wieder aufhört. Und doch ist völlige Schmerzunempfindlichkeit ein gefährliches, sehr seltenes Krankheitsbild.
Die betroffenen Personen sind alles andere als glücklich mit ihrer Analgesie. Sie werden oft lebensbedrohlich verletzt, wenn beispielsweise Gliedmassen verbrennen oder erfrieren, ohne dass sie rechtzeitig gewarnt werden. …hier weiterlesen…
Immer noch prägt das Trauma der NS-Zeit die Familien
In der „Zeitzeugen“-Serie der Süddeutschen Zeitung erschien am 24.4. 2010 der folgende Artikel in einer gekürzten Version. Hier der vollständige Text.
1945 waren die meisten Deutschen überzeugt, sie seien Hitler nur aus Angst und unter Druck gefolgt. Das kleine schlechte Gewissen, das im Hintergrund so großer Begeisterung geblieben war, das Zweifel angemeldet hatte am Sinn dieser geistigen… …hier weiterlesen…
Zeit und Abstand als klärende Instanzen im Alltag
Es gibt eine orientalische Geschiche „Vom erstaunten Tod“. Der Tod trifft einen Mann, den er irgendwann kennengelernt und mit dem er sich angefreundet hat. Diesem Mann gab eine Stunde zuvor sein Nachbar im Basar in grösster Hast den Schlüssel zu seinem Laden. Er müsse dringend fliehen, sagte der zu dem Mann, er habe soeben den Tod gesehen und reise jetzt nach Samarkand, um ihm zu entgehen. “Ich bin verwirrt”, sagt der Tod zu seinem Freund. “Ich habe vor einer Stunde in dem Geschäft neben dem deinen einen Mann sitzen sehen, den ich heute Abend in Samarkand holen soll!”
Der psychologische Aspekt an dieser Geschichte hängt mit dem Wiederholungszwang zusammen, den Sigmund Freud als besonders hartnäckige Form des Lernens beschrieben hat. …hier weiterlesen…
Jeder hat sie in seinem Bekanntenkreis: Gäste, die auf eine reich gedeckte Tafel starren als sei sie ein australisches Gewässer voller Sumpfkrokodile. Ist da Weizenmehl drin? Milch? Eine Spur von Nüssen? Erdbeeren? Kiwis? Fisch? Sie haben eine Lebensmittelallergie, sie müssen diese Feinde ihres Wohlergehens rechtzeitig erkennen und unbedingt vermeiden. Schwingt da ein leiser Vorwurf mit, man habe sie eingeladen, ohne vorher ihre speziellen Diät-Bedürfnisse abzufragen?
Rund zwanzig Prozent der Deutschen glauben, sie würden allergisch reagieren, wenn sie das Falsche essen. …hier weiterlesen…
Szene beim Ausflug mit dem Fahrrad: Eine kleine Steigung, zwei Frauen und eine Elfjährige mit Schutzhelmen kommen mir entgegen. Abgeschlagen hinter ihnen heulend, mit einem kleinen, vom Weinen geröteten Gesicht ein vielleicht Achtjähriger. Er schluchzt seinen Schmerz und seine Wut hinaus, dass die anderen nicht auf ihn warten und er nicht mithalten kann. “Da muss man durchgreifen!” sagt ungerührt die eine Frau zur anderen. “Wenn der die Kraft zum Fahren nimmt, die er zum Weinen braucht, haben wir kein Problem mehr!”
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Vortrag für die Jahrestagung der Rilke-Gesellschaft
Psychologische Diagnosen gleichen Musikinstrumenten. Sie engen eine Vielfalt von Möglichkeiten ein, um praktische Vorteile zu gewinnen und eine sonst nicht greifbare Vielfalt handhabbar zu machen.
Sie lehren uns etwas über die Vielfalt der Psyche, indem sie diese reduzieren, wie auch ein Instrument die Vielfalt der akustischen Möglichkeiten reduziert, uns gleichzeitig aber den Geist der Musik näher bringen kann. …hier weiterlesen…
Erzwungene Beziehungen greifen um sich, vom Stalking zur Zwangsverpflichtung des widerspenstigen Vaters
“Es ist nicht so, das Liebe manchmal Fehler macht, sondern die Liebe selbst ist ein Fehler. Wir verlieben uns, wenn unsere Phantasie auf eine andere Person die Perfektion projiziert, die sie nicht hat. Eines Tages verschwindet das phantastische Bild, und mit ihm stirbt die Liebe.”
So melancholisch hat der 1883 geborene spanische Philosoph Ortega y Gasset in seinem Essay …hier weiterlesen…
Passend zum Ende der Feriensaison erschien dieser Artikel über eine eindrucksvolle Reise durch die Ost-Türkei.
Ankara liegt in den Hügeln Anatoliens unter einem schieferfarbigen Himmel, als hätte jemand einen Sack mit Hochhäusern ausgekippt. Am Flughafen haben wir den Leihwagen geholt, einen Fiat Doblo, genügend Platz für vier Erwachsene mit Gepäck. Wir wollen, altmodisch mit Karte und Führer, nach Kappadokien und dann von dort ans schwarze Meer. Hotels müssen wir unterwegs finden. Die Türkei ist gut ausgerüstet für solche Nomaden; die Herbergen bieten annehmbare Qualität für einen bescheidenen Preis. Unser erstes Hotel liegt am Rand des Basars von Ankara. Im Foyer ein Internet Point und ein Aquarium. Darin als Dekoration eine versunkene Galeone, durch deren Geschützpforten Goldfische schwimmen.
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